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Dunning-Kruger-Effekt

Ich hatte das Glück schon an einer Menge Vorstellungsgesprächen teilgenommen zu haben. Die meiste Zeit war ich die Person, die die Fragen gestellt hat und ich musste leider lernen, dass der Dunning-Kruger-Effekt besonders bei uns in der IT gilt.

Aber fangen wir von vorne an. Das Vorstellungsgespräch. Um dort eingeladen zu werden, muss man eine Bewerbung schreiben. In den meisten Fällen schreibt man rein, was man besonders gut kann, was man solala kann und was man sonst noch so drauf hat. Wenn man dann das, was man im Interview so über den Bewerber erfährt mit der Bewerbung abgleicht, findet man sehr viele Unterschiede.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Ein Bewerber, mit dem ich im Gespräch war, hat angegeben, dass er ein Experte in Sachen MySQL ist. Da ich mich auch ein wenig auskenne, wusste ich, was ich so fragen kann. Leider war nach dem Standard-CRUD nichts mehr aus ihm rauszuholen.

Hat er gelogen in seiner Bewerbung? Ich glaube nicht. In seiner Welt und in der er vorher gearbeitet hat, war er der Experte wenn es um Datenbanken ging. Er wusste gar nicht, wie gut man eigentlich bei dem Thema sein kann. Genau dies ist der Dunning-Krueger-Effekt.

Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […] Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden, [sind] genau jene Fähigkeiten, um zu entscheiden, wann eine Lösung richtig ist.

Warum ist es wichtig den Effekt zu kennen? Zum einen hilft es inkompetenten Kollegen eher zu verzeihen, wenn sie so tun, als ob sie alles wüssten. Zum anderen hilft es einen auch dabei immer wieder zu reflektieren, dass man vielleicht doch nicht so gut ist, wie man denkt. Unsere Einschätzung kann auch immer relativ zu unserem Umfeld sein. Zusätzlich kann es einem auch helfen, wenn man das nächste mal eine Bewerbung vor sich liegen hat. Zwei Bewerber, die sich gleich einschätzen, müssen nicht gleich gut sein.

 

Über den Autor

Nils Langner

Nils Langner ist der Gründer von "the web hates me" und auch der Hauptautor. Im wahren Leben leitet er das Qualitätsmanagementteam im Gruner+Jahr-Digitalbereich und ist somit für Seiten wie stern.de, eltern.de und gala.de aus Qualitätssicht verantwortlich. Nils schreibt seit den Anfängen von phphatesme, welches er ebenfalls gegründet hat, nicht nur für diverse Blogs, sondern auch für Fachmagazine, wie das PHP Magazin, die t3n, die c't oder die iX. Nebenbei ist er noch ein gern gesehener Sprecher auf Konferenzen. Herr Langner schreibt die Texte über sich gerne in der dritten Form.
Kommentare

10 Comments

  1. Nicht für Bewerber, aber innerhalb von Unternehmenshierarchien gilt auch das Peter Prinzip 😉

    Peters These ist, dass jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert wird, bis es das Maß seiner absoluten Unfähigkeit erreicht hat, was in der Regel das persönliche Maximum der Karriere­leiter markiert und weitere Beförderungen ausbleiben lässt. Peter: „Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip)

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  2. Meiner Meinung nach beschäftigt sich die Person, welche meint Experte in einem Bereich zu sein mit dem Thema. Daher sollte diese Person über das Internet sehr wohl ein Gefühl vom Inhaltlichem Umfang bekommen. Und entsprechend relativ gut einschätzen können, wie gut er tatsächlich ist und wie er sich einzustufen hat.

    Das Bedeutet grob gesagt folgendes:
    * Die Person kennt den Inhaltlichen Umfang nicht – Junior
    * Die Person kennt den Inhaltlichen Umfang und weiß wo er das benötigte Wissen findet um ggf. korrekt Antwort zu können – Durchschnitt
    * Die Person kennt den Inhaltlichen Umfang und kennt mindestens einen, meistens jedoch mehrere Bereiche in der Tiefe um auch ohne Recherche eine korrekte Entscheidung treffen zu können – Senior

    Diese Einstufung soll nur hinsichtlich seiner Fähigkeiten in dem jeweiligen Bereich gelten. Nicht aber, dass diese Person gesamtheitlich auch ein Junior oder Senior ist.

    Es stellt sich jedoch die Frage ob der Interviewende ein ähnlichen Wissen über den inhaltlichen Umfang hat und diese auch korrekt einzustufen weiß. Es gibt diesen Effekt also auf beiden Seiten.

    Man müsste also zunächst die Welten angleichen um dann überhaupt eine Aussage treffen zu können.

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    • Ich glaube ganz so einfach ist es nicht. Ich hatte z.B. einen Kollegen, der sich als „geht so“ in MySQL eingestuft hat. Das kam daher, dass er nicht auf Anhieb sagen konnte, welches Filesystem am besten zu seinen Anforderungen gepasst hat. Da musste es selbst andere Fragen. Der gewöhnliche MySQL-Nutzer wüsste noch nicht mal, dass diese Frage existiert.

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      • Für mein Empfinden passt das perfekt zu dem, was ich schrieb. Er selbst stuft sich als „geht so“ ein, weil er sich des Inhaltlichen Umfangs bewusst ist und sich entsprechend eingeordnet hat. Nichts desto trotz bleibt das eine subjektive Einschätzung die keiner Standardisierten Skala folgt.

        Die Tatsache, dass er sich jedoch diese Frage gestellt hat, grenzt ihn sehr wahrscheinlich schon klar vom Junior ab. Das heißt man kann mit großer Sicherheit sagen, dass er kein Anfänger war. Weiterhin grenzt ihn die Tatsache, dass er die Frage nicht auf Anhieb beantworten konnte vielleicht sogar vom Senior ab. Aber um diese Frage zu beantworten bedarf es dann mehr Informationen weil man nicht in allen Bereichen eines Themas Experte sein kann!

        Den Anfänger erkennt man meiner Erfahrung nach meistens sehr schnell. Ich verstehe aber deinen Einwand, und deine eigentlich Aussage, dass jemand der Anfänger ist, aufgrund dessen auch nicht wissen kann, dass er Anfänger ist, weil er es dank mangelnder Erfahrung gar nicht besser wissen kann. Aber zu behaupten, dass man Experte in etwas sei, ohne den gesamten Inhalt des Themas zu kennen, ist dreist.

        Die Frage die ich mir stelle ist also, verzeihe ich es dem vermeintlichen Bewerber weil er es nach dem Dunning-Kruger-Effekt nicht besser wissen konnte, oder behaupte ich, dass er einfach dreist war. Ich glaub einfach, dass jemand der Experte auf einem Gebiet ist, dieses auch von Anfang bis Ende relativ gut abstecken kann. Und darüber hinaus sagen kann in welchen Bereichen er gut oder weniger gut ist. Im Umkehrschluss bedeutet das für mich, dass der vermeintlich unwissende dieses Gebiet seiner Meinung nach zwar abstecken kann, aber nie nachgesehen hat ob es nicht vielleicht auch mehr gibt. Wenn ich aber nicht nach sehe ob es noch mehr gibt, dann beschäftige ich mich offensichtlich auch nicht wirklich mit dem Thema und kann daher auch kein Experte sein. Oder sehe das falsch? Bzw. habe ich hier einen Gedanklichen Fehler gemacht wodurch die Schlussfolgerung hakt?

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  3. Hi Nils, schöner Artikel über den mir (primär aus Bewerbungen) bekannten Effekt. Am deutlichsten denke ich, und das deckt sich IMHO mit der Aussage von José, fällt einem die Problematik bei Einsteiger-/Junior-Stellen auf. Dort tritt genau der genannte Effekt ein, dass jemand nach einer Einschätzung der Kenntnisse auf einer Skala von 1-10 gern mal 8 sagt und wenn man dann auch nur dünn an der Oberfläche kratzt, bröckelt der Lack ab.

    Anderes Thema: Dein Satz im Text „Zum anderen hilft es einen auch dabei immer wieder zu reflektieren, dann man vielleicht doch nicht so gut ist, wenn man denkt.“ ist extrem gruselig und klingt danach, dass du ihn mitten in der Nacht geschrieben hast :) – magst du den korrigieren?

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  4. Ja, auf das gleiche Phänomen in der IT trifft man wenn man die Mitarbeiter Skillfragebögen ausfüllen läßt. In unserem Fall sind diese öffentlich. Letztens hatte ich eine Diskussion mit einem Kollegen, er wollte aus mir rausbringen welche JAX-RS Implementierung er einsetzen sollte. Ich war davon dann doch sehr verblüfft – wir verwenden generell überall immder den selben Standard JEE Server. Die Frage nach der Implementierung ist also hinfällig. Nach einigem Diskutieren hatte ich bemerkt dass er schlichtweg keine Ahnung hatte dass JEE im Grunde nix anderes als ein Sammelsurium an Standards ist, wo wir die Implementierung durch unseren vorgegebenen JEE Server somit bereits haben. Der Clou an der Geschichte: Er schätzte sich in unserer Skill-DB selbst als JEE Senior ein. Tja, zum JEE Senior gehört leider etwas mehr als ein War-File auf einem Tomcat zu deployen

    PS: Ja, ich weiß natürlich dass der Tomcat keine JEE Implementierung darstellt :-)

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