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Der Anwalt des Teufels

Und schon wieder ist eine lange Arbeitswoche rum und der letzte richtige Beitrag dieser sieben Tage steht an. Heute wollen wir uns mal etwas diabolisch geben. Fangen wir also einfach an.

Wir alle kennen Meetings, in denen „wichtige“ Entscheidungen getroffen oder Konzepte vorgestellt werden. Ist ja nichts weiter bei. Alltag. Jetzt bin ich jemand, der mal gerne kritisch Dinge hinterfragt und auch Punkte aufzeigt, wo vielleicht noch nicht genug Hirnschmalz reingeflossen ist oder wo man einfach nicht dran gedacht hat. Das soll die Idee gar nicht schlecht machen. Aber wie das nunmal so ist, ist man damit der Miesmacher. Nach dem Meeting haben viele das Gefühl, dass man gegen das Projekt sei. Ist aber gar nicht so. In einem perfekten Team ist das natürlich nicht so, da darf jeder äußern was er will und man weiß, dass man durch Kritik das Produkt einfach nur besser machen will. Aber wie das nun mal ist, perfekte Teams gibt es nur im Lehrbuch (oder vielleicht in Start-Ups). Nein, es gibt bestimmt viele tolle Teams und meines ist auch so eins, trotzdem kann man sich ja immer verbessern.

So. Wie kommen wir jetzt dahin, dass uns die Kollegen nicht an die Gurgel gehen wollen? Wir setzen den Anwalt des Teufels ein. Und das sogar ohne irgendwelche Opfer dem Herren der Finsternis zu bringen. Das Prinzip ist ganz einfach. Einer aus dem Team übernimmt die Kontraposition, er versucht das Projekt nieder zu machen. Natürlich fachlich. Beleidigen der Mutter wäre nicht so angebracht, auch wenn es da jede Menge lustiger Sprüche gibt. Diese teuflische Position einzunehmen kann sogar Spaß machen. Die Kollegen versuchen dann sich gegen alle Anschuldigungen zu verteidigen, gelingt dies nicht, so hat man eine Schwachstelle gefunden und es gilt nachzubessern. Gelingt es immer, dann ist der Anwalt eine Pfeife oder das Projekt hat einen Reifegrad erreicht, mit dem man an die Öffentlichkeit kann.

[PS: Wir hatten schon mal einen ähnlichen Artikel zum Anwalt des Teufels, da Eberhard den Fokus aber ein wenig anders gelegt hat und aus aktuellen Anlässen, habe ich das Thema noch mal aufgegriffen]

Über den Autor

Nils Langner

Nils Langner ist der Gründer von "the web hates me" und auch der Hauptautor. Im wahren Leben leitet er das Qualitätsmanagementteam im Gruner+Jahr-Digitalbereich und ist somit für Seiten wie stern.de, eltern.de und gala.de aus Qualitätssicht verantwortlich. Nils schreibt seit den Anfängen von phphatesme, welches er ebenfalls gegründet hat, nicht nur für diverse Blogs, sondern auch für Fachmagazine, wie das PHP Magazin, die t3n, die c't oder die iX. Nebenbei ist er noch ein gern gesehener Sprecher auf Konferenzen. Herr Langner schreibt die Texte über sich gerne in der dritten Form.
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10 Comments

  1. Neuer Fokus bringt immer auch neue Ideen :-) Ich denke gerade über eine spielerische Methode nach, den Anwalt als wechselnde, explizite Rolle zu nutzen. Einer Bekommt die A-Karte und ist für das Hinterfragen zuständig.

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  2. Den Ansatz find ich sinnvoll und produktiv. Aber lass mich mal Anwalt des Teufels spielen und deine Projektmanagementidee trotzdem kritisieren. Übernimmt die Rolle ein Einzelner wird der kaum alle Ecken und Kanten eines Projekts finden, egal wie objektiv er ist. Gleichzeitig wiegt man sich aber durch eine _Formalisierung_ dieses Ansatzes in Sicherheit, alles bedacht zu haben. Deswegen meine ich, ist trotzdessen immer ein unabhängiger Dritter notwendig – oder vorzugsweise ein Stapel Betatester. Und übrigens; deine Mutti ist doof.

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  3. Finde ich eine ganz nette Idee.
    Was natürlich noch recht hilfreich bei Kritik ist: Zu allererst ein LOB ausprechen, was einem gut gefällt. Dann KONSTRUKTIVE KRITIK äußern und zum Schluss wieder etwas LOB. Mit dieser Strategie erreicht man es oft, dass die Person gegenüber nicht in einer Blockierhaltung wandert und der Kritik garnicht mehr richtig zuhört, sondern freut sich, dass es eine gute Idee ist und erkennt, dass es noch Verbesserungspotential gibt.
    Dann kann man auch gern in der Gruppe Kritik äußern.
    Wenn natürlich nur immer einer etwas dazu sagt, ist es auf jeden Fall eine gute Idee, es mit solcher Art von „Spielen“ zu versuchen. Gefällt mir auf jeden Fall und ich werds mir merken.

    @Nils: Solche Art Kurz-Beiträge mit nützlichen Tipps hab ich schon fast vermisst hier 😉 Danke!

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  4. Es gibt Leute, die spielen gerne den „Anwalt des Teufels“. Meistens sind das die Leute, die wenig konstruktives beizutragen haben, sondern die Ideen destruktiv nieder machen.

    Es ist wesentlich einfacher, der „Anwalt des Teufels“ zu sein, als gute eigene Ideen zu haben, und die kritisieren zu lassen. Das sollte man immer betonen. Der „Anwalt des Teufels“ hat die leichteste Rolle am Tisch, und trägt am wenigsten dazu bei.

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  5. Andere zu kritisieren ist immer einfach und führt auch bei uns häufig zu niedergeschlagenheit im Team. Ich finde das Konzept daher interessant und werde es mal antesten, wobei ich problematisch finde, das ein einzelner häufig deutlich weniger Schwachstellen findet, als wenn das ganze Team überlegt, woran es scheitern könnte.

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    • Nur weil es einer dediziert tut, muss das nicht heißen, dass die anderen keine Kritik üben dürfen. Um eine Feedback-Kultur aufzubauen ist es aber denke ich ein guter erster Schritt.

      Würde mich auch freuen, wenn du deine Erfahrungen hier mitteilen könntest.

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