Facebook
Twitter
Google+
Kommentare
8

Was haben Projekte und Seereisen gemeinsam?

Erstens: Sie sind nicht immer lustig. Zweitens: Eine Seereise liefert schöne Analogien zum Risikomanagement 😉

Die Neuartigkeit eines Projekts enthĂ€lt zwangslĂ€ufig unbekannte Faktoren, die sich zu Risiken entwickeln können. Ein zu Beginn des Projekts erstellter Plan kann die Risiken des Projektes nie vollstĂ€ndig berĂŒcksichtigen. Risikomanagement ist daher unerlĂ€sslich. Risiskomanagement ist eine eigene Disziplin und kann sehr aufwĂ€ndig gestaltet werden. Ich möchte bewusst einen einfachen Ansatz dagegen halten. Es ist besser ein einfaches Risikomanagement anzuwenden als ein aufwĂ€ndiges und besseres zu vernachlĂ€ssigen. Ich möchte anstelle einer Definition mit einem einfachen Vergleich beginnen.

Es ist nicht ganz klar woher das Wort Risiko stammt. Eine ErklĂ€rung fĂŒhrt es auf das griechische Wort rhizikon („Klippe“) zurĂŒck. Die Bedeutung Klippe, die umschifft werden muss um nicht zu scheitern, liefert einen griffigen bildlichen Vergleich. Ein Projekt ist wie eine Seereise zu einem weit entfernten Ziel durch unbekanntes GewĂ€sser. Die VorrĂ€te an Bord des Schiffes sind begrenzt d.h. das Ziel sollte möglichst in der geplanten Zeit erreicht werden. Auf der Reise mĂŒssen unter UmstĂ€nden viele Klippen umschifft und andere Hindernisse ĂŒberwunden werden.

Die Hauptaufgaben des Risikomanagements

  • Risiken erkennen
  • Risiken bewerten
  • Gegenmaßnahmen planen

werden mit diesem bildlichen Vergleich klarer. Zuerst mĂŒssen möglichst viele der Klippen und Schwierigkeiten auf dem Weg erkannt werden. Schön wĂ€re natĂŒrlich eine Seekarte auf der alle Klippen und Untiefen verzeichnet sind. Dann kommt noch eine Karte der Meeresströmungen, eine Wetterkarte usw. hinzu. Da solche Karten bei der Fahrt in wirklich unbekannte GewĂ€sser in der Regel nicht existieren ist man ĂŒberwiegend auf Vermutungen angewiesen und muss sich seine Karten selbst zeichnen. Selbst wenn bereits Karten vorhanden sind stellt sich immer noch die Frage nach der VerlĂ€sslichkeit des Kartenmaterials.

Wenn man glaubt die meisten Klippen und Untiefen zu kennen, muss im nĂ€chsten Schritt geprĂŒft werden wie gefĂ€hrlich jedes Hindernis wirklich ist. Wie tief ist eine Untiefe wirklich, wie dicht liegen Untiefen und Klippen neben einander, wie sehen die Meeresströmungen an dieser Stelle aus, wie gut lĂ€sst sich manövrieren.

Nimmt man ein Schiff mit weniger Tiefgang (wannenförmiger Rumpf = Mississippi Dampfer) lĂ€sst sich vielleicht die eine oder andere Untiefe einfach ĂŒberfahren. Liegen viele Klippen dicht beieinander ist wiederum ein wendiges manövrierfĂ€higes Schiff von Vorteil. Das wendige Schiff hat dafĂŒr aber wieder mehr Tiefgang als ein Schiff mit wannenförmigem Rumpf. Liegen Klippen und Untiefen im Weg sind vielleicht mehrere kleine, wendige Schiffe gegenĂŒber einem großen im Vorteil.

Mit mehreren kleinen Schiffen wÀre ein Kompromiss zwischen Wendigkeit und geringem Tiefgang gefunden. Hinzu kommt jetzt die Schwierigkeit die Schiffe zu koordinieren um die Flotte z.B. bei Nebel zusammenzuhalten.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass aus einer möglichst objektiven Bewertung der Risiken sich meist auch AnsĂ€tze fĂŒr Gegenmaßnahmen zur Beherrschung oder Vermeidung derselben ergeben.

Ein systematisches Risikomanagement wird leider in vielen Projekten strĂ€flich vernachlĂ€ssigt. Meist steht der Aspekt Ressourcen – Planung zu stark im Vordergrund. Im Bild der Schiffsreise gesprochen wird oft zu viel Zeit auf die Katalogisierung der Ladung und die Mannschaftsliste verschwendet und dabei der Blick auf die Seekarte vergessen. Wie kann ein pragmatisches Risikomanagement in einem Projekt aussehen? Mit einer Liste und 4 Fragen, die sich die Projektleitung regelmĂ€ĂŸig stellen sollte kommt mann/frau schon sehr weit:

  • Sind die drei grĂ¶ĂŸten Risiken bekannt?
  • Was sind heute die drei grĂ¶ĂŸten Risiken?
  • Hat jeder im Team sein grĂ¶ĂŸtes Risiko benannt?
  • Welche Risiken sind in der letzten Woche hinzugekommen?

Aus der Formulierung der Fragen lĂ€sst sich schon erahnen, dass man sich diese Fragen regelmĂ€ĂŸig, das heißt jede Woche oder sogar tĂ€glich neu stellen muss.

Sind die drei grĂ¶ĂŸten Risiken bekannt? Selbst wenn im Projekt ein ausgewiesenes Risikomanagement betrieben wird, heißt das noch lange nicht, dass die grĂ¶ĂŸten Risiken bekannt sind. In der Formulierung “groß” steckt eine intuitive Mischung der Faktoren Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung. Diese sind leider nicht konstant und mĂŒssen stĂ€ndig neu bewertet werden. Bevor man sich in seitenlangen AbwĂ€gungen und Wahrscheinlichkeitsrechnungen verheddert, ist es besser sich regelmĂ€ĂŸig die zweite Frage nach dem heutigen Risiko zu stellen – getreu dem Motto: “Wo drĂŒckt der Projektschuh jetzt in diesem Moment?”

Bei der dritten Frage wird es heikel. Keine Projektleitung kann alle Risiken finden. Sie letztendlich darauf angewiesen, dass alle im Team mit der Sprache rausrĂŒcken und das grĂ¶ĂŸte Risiko von dem sie wissen benennen. Die simple Frage “Weiß noch jemand was?” hilft hier nicht viel weiter. Es ist wichtig, dass im Team nicht ein Klima der Angst vorherrscht. Wenn die Angst regiert wird niemand gerne ĂŒber Risiken sprechen. Die letzte Frage greift das Problem der unvollstĂ€ndigen Risikolisten nochmals in anderer Form auf.

Ich schließe mit einer Empfehlung und einer provokanten Aussage:

  • FĂŒr jedes Risiko sollte ein Plan B in der Schublade liegen.
  • Projektmanagement ohne Risikomanagement ist grob fahrlĂ€ssig.
Über den Autor

Eberhard Huber

Dr. Eberhard Huber projekt (B)LOG: SelbststĂ€ndiger Berater fĂŒr Projektmanagement. Projektmanagement, Kommunikations-Training, Gruppendynamik und Teamentwicklung in Forschung, Lehre (UniversitĂ€t Mannheim, UniversitĂ€t Magdeburg) und Praxis.
Kommentare

8 Comments

  1. Interessante Analogie, die ich mir auf jeden Fall merken werde.
    Bei deiner Empfehlung wĂŒrde ich jedoch nicht von einem Plan (Reiseroute), sondern eher von einem Ansatz (Richtung) sprechen.
    Zu deiner provokanten Aussage stellt sich mir die Frage, ab wann Risikomanagement beginnt, denn mit einer flexiblen Geisteshaltung kann man bereits viele Hindernisse umschiffen. Aber das trifft wahrscheinlich nur auf kleine (und disziplinierte) Gruppen zu.

    Reply
  2. So, jetzt hatte ich auch endlich Zeit deinen Artikel zu lesen 🙂 Mir gefĂ€llt dein Vergleich sehr gut, werde ihn auch in mein Argumentationsrepertoire aufnehmen. Danke fĂŒr den Artikel!

    Reply
  3. @Andre … flexible Geisteshaltung ist die Grundvoraussetzung, die ist nötig wenn man auf den Plan B wechselt 😉 das ist die GruppengrĂ¶ĂŸe m.E. nicht wichtig. Risikomanagent beginnt wenn man sich konkret damti befasst was schief gehen kann.

    @Nils … und wenn die Argumente nur fĂŒr ein Projekt reichen ist es gut. Ich habe gerade eines an der Backe, bei dem der Auftraggeber den Zeitaufwand fĂŒr die Entwicklung eines Plan B nicht bezahlen wollte, das Ă€ndert aber nichts daran, dass wir jetzt auf die vorhersehbare Klippe aufgelaufen sind :-/

    Reply
  4. Hi,

    ich bin regelmĂ€ĂŸiger Leser und glaube das ist heute mein erster Kommentar hier.

    Ich finde es auf jeden Fall wichtig, dass du die Bedeutung von Risikomanagement ansprichst und muss auch meinem Vorredner Andre zustimmen, dass ein Großteil des Risikomanagements auch schon automatisch durch gute Mitarbeiter / Projektarbeiter im Kopf abgedeckt wird, teilweise auch (mit gutem Grund) ohne es explizit anzusprechen.
    Klar kann es auch wichtig sein, soetwas explizit zu machen, insbesondere wenn man in eine ganz neue Richtung geht.

    Im TagesgeschĂ€ft halte ich es allerdings fĂŒr sehr gefĂ€hrlich zu viel planen zu wollen.
    Ich denke wir wissen alle, dass sich in jeder Hinsicht Bedingungen sehr schnell Àndern können (und dies leider auch sehr oft tun). HÀufig ist die beste Planung da nicht viel wert. Stattdessen kommt es oft darauf an, instinktiv und aus Erfahrungen heraus richtig reagieren zu können und dabei aus Fehlern zu lernen, weil der Plan B genauso wenig zutrifft wie jeder andere, da schlichtweg nicht planbar.

    Ich habe fĂŒr mich jedenfalls auch gelernt, teilweise weniger zu planen, dafĂŒr aber das was wirklich vernĂŒnftig planbar ist genau zu dokumentieren und zu bedenken.

    Ich hoffe auf rege Kritik zu meinem Kommentar 🙂

    Reply
  5. Hallo Julian, warum Kritik ? 😉

    ich denke in dem Satz hast Du etwas sehr wichtiges zusammengefasst

    > Im TagesgeschÀft halte ich es allerdings
    > fĂŒr sehr gefĂ€hrlich zu viel planen zu wollen.

    TagesgeschĂ€ft und Projekte sind zwei Paar Stiefel und sollten es auch bleiben. Risikomanagement ist wichtig fĂŒr Projekte. Zur Abgrenzung Projekt- vs. TagesgeschĂ€ft habe ich vor einiger Zeit mal etwas geschrieben:

    http://www.pentaeder.de/projekte/2009/06/15/wann-ist-ein-projekt-kein-projekt-reload/

    Reply
  6. Sehr gut, mit deinem Artikel triffst du auch genau das, was ich mit meinem Kommentar mit anklingen lassen wollte.

    Selbst bei allem was man so als „Projekt“ bezeichnet, ist die Planung teilweise unpassend, weil es kein wirkliches Projekt im gehobenen Sinne ist.

    Feiner Artikel, trifft den Nagel auf den Kopf.
    Habe mir auch ein paar andere Artikel aus deinem Blog zum Lesen gespeichert, nette Themen, gefÀllt mir sehr.

    Reply
  7. Hi,

    bei dem Thema Seereisen und Risikomanagement hatte ich spontan den Gedanken an die großen Schiffsreisen unserer Zeit, die als Katastrophe endeten, wie z. B. Titanic oder Andrea Doria.

    Oder anders ausgedrĂŒckt: Was passiert, wenn das Risikomanagement versagt und aus dem Risikomanagement ein Katastrophen-Management wird. Also nicht nur Gegenmaßnahmen planen (z. B. Rettungsboote bei der Titanic), sondern das im Ernstfall auch durchfĂŒhren.

    Schöner Artikel, vielen Dank dafĂŒr!
    Oliver Knittel

    Reply
  8. Hallo Oliver,

    danke … guter Vergleich, bei der Titanic lassen sich da gleich zwei Punkte festhalten. Schon das Risikomanagement hatte eine LĂŒcke (zu wenig Boote) und dann wurden die vorhandenen Boote auch nicht vollstĂ€ndig besetzt :-/

    Da steckt ein wichtiger Gedanke drin. Das verlĂ€sst zwar ein wenig das Thema Projekt, aber in typischen K-Fall Szenarien in Rechenzentren gehört die DurchfĂŒhrung entsprechender Übungen zum GeschĂ€ft dazu.

    viele GrĂŒĂŸe Eberhard

    Reply

Leave a Comment.

Link erfolgreich vorgeschlagen.

Vielen Dank, dass du einen Link vorgeschlagen hast. Wir werden ihn sobald wie möglich prüfen. Schließen